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Als Hauptstadt des genuesischen Korsika ist Bastia eines der Zentren des Kulturschaffens auf der Insel. Gouverneure, Prälaten und reiche Bürger aus Bastia wetteifern miteinander in Firm von Schenkungen an Kirchen und Klöster, und begründen damit in Bastia eine Tradition als kulturelles und intellektuelles Zentrum der Insel.

Das übersprudelnde künstlerische Schaffen im Bastia des 17. und 18. Jahrhunderts führt zu einer Verbreitung von Barockkunstwerken über den Umweg der Kopie. Lokale Maler wie Nicolao Castiglioni oder Saverio Farinole produzieren vom 17. Jahrhundert an für die ganze Insel nach dem Vorbild der großen Meister aus Genua wie Domenico Piola oder Giuseppe Badaracco, oder aus Florenz wie Giovanni Billivert, deren Werke unter hohen Kosten für die Kirchen Bastias herangeschafft werden. Das selbe Phänomen findet man bei den Goldschmiedearbeiten, wenn auch im letzteren Fall die Werke für die Kirchen Bastias von deutlich schönerer Machart sind als ihre Kopien für weniger reiche ländliche Kirchengemeinden.

Dieses überschäumende künstlerische Schaffen wird im 19. Jahrhundert dank des Zusammenwirkens mehrerer Faktoren, deren wichtigster ohne Frage das als „legs Sisco“ bekannte Vermächtnis ist, neu belebt.

Giuseppe Sisco stammt aus Bastia und ist erster Chirurg von Papst Pius VII. Mit seinem Tod vermacht er sein gesamtes Erbe der Stadt Bastia. Die Erbschaft ist mit der Auflage verbunden, dass die Stadt Stipendien vergeben muss, die es jungen Leuten aus Bastia ermöglichen sollen, in Rom Jura, Medizin oder Kunst zu studieren. Diese Regelung gilt ab 1841. Von 1871 an bewerben sich nur noch Kunststudenten um diese Stipendien. Von 1841 bis 1933 profitieren 35 von ihnen davon, darunter die Bildhauer Louis Patriarche und Jean Mathieu Pekle, sowie die Maler Charles Fortuné Guasco, Louis Alessi oder Joseph de Gislain.

Eine andere Erbschaft trägt dazu bei, dass das Kunstschaffen im Bastia des 19. Jahrhunderts noch weiter in der italienischen Tradition verankert wird. Es handelt sich um die Stiftung Survilliers, besser bekannt als „legs Fesch“. Kardinal Fesch hatte entschieden, einen Teil seiner Sammlung der Stadt Ajaccio zu vermachen mit dem Ziel dass dort ein Seminar gegründet würde. Joseph Bonaparte, der Graf von Survilliers, Neffe und Rechtsnachfolger des Kardinals, entschied sich diese Stiftung auch auf andere Städte Korsikas zu erweitern. So übergab er im Jahre 1844 der Stadt Bastia 100 Werke, in erster Linie italienische Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bis zur Gründung eines Museums wurden diese Werke in verschiedenen öffentlichen Gebäuden wie Kirchen oder der Hochschule untergebracht, wo sie als Anschauungsmaterial für den Zeichenunterricht dienten. Die jungen Künstler aus Bastia konnten so ihre Ausbildung an Ort und Stelle beginnen, wobei sie sich an einer Reihe italienischer Meister von hervorragender Qualität orientieren konnten.
Die Malerei und die Bildhauerei sind nicht die einzigen Bereiche der Kunst die von der italienischen Tradition geprägt sind. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekennt sich die Führungsschicht offen zu ihrer Verbundenheit mit Italien als Zeichen des Widerstands gegen die politische Vormachtstellung Frankreichs. So bringt man in der Theaterszene Bastias das ganze Jahrhundert über in erster Linie italienische Stücke und italienisches Bel Canto zur Aufführung, wobei das französische Repertoire ab etwa 1870 in bescheidenem Umfang Einzug hält. Was die korsischen Schriftsteller in der Tradition eines Salvatore Viale angeht, so publiziert ein großer Teil von ihnen seine Werke in italienischer Sprache oder interessiert sich für die korsische Sprache. So veröffentlicht Petru Lucciana genannt Vattalapesca regelmäßig in der Lokalpresse seine cummedie, urige Komödien im Dialekt der Stadt Bastia.

Bastia ist demnach im 19. Jahrhundert das intellektuelle und künstlerische Zentrum der Insel, hier leben die bedeutendsten Künstler der Epoche, und das gilt für alle Bereiche der Kunst. Von den 1850er Jahren an zieht Bastia auch Künstler eines ganz neuen Genres an: Die Photographen. Die großen Namen der Photographie in Korsika wie Barthélemy Graziani, Joseph Moretti oder Ange Tomasi lassen sich alle zeitweilig oder dauerhaft hier nieder und leisten damit ihren Beitrag zu Bastias Rolle als kulturelles Zentrum.
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Le legs Fesch

Le legs Fesch

Le legs Sisco

Bastia porte du baroque 17e et 18e siècles